Unsere nordischen Ponys haben Gesellschaft aus Südasien: Zwergzebus. Das sind putzige Mini-Kühe, etwa einen Meter hoch und eigentlich ziemlich pflegeleicht – so lange sie einfach in Ruhe fressen dürfen. Wenn Fremde auf die Weide gehen, ist mit Zebus allerdings nicht zu spaßen. Das kann praktisch sein, aber wenn der Fremde der Tierarzt ist, wird es schwierig…
Die Aufgabe unserer Zebus war von Anfang an, die Geilstellen abzufressen. Sind die Ponys mit einer Wiese fertig, steht auf erschreckend großen Flächen noch das Gras, was sie nicht fressen, weil sie da irgendwann mal hingeäppelt haben. Bäh, das wird nicht angerührt, niemals. Und Disteln und Brennnensseln bleiben auch stehen, die wuchern am Waldrand entsprechend. Bis die Zebus kommen.
Unsere Erfahrung: Von dem, was die drei Isländer stehenlassen, werden zwei Zwergzebus noch satt – und zwar so lange, bis die Pferde das nächste, ähnlich große Teilstück bis auf die Geilstellen leergefressen haben. Die Zebus gehen also den Pferden immer hinterher, das klappt super. Wenn die Zäune okay sind. Rinder sind nämlich etwas dickfelliger als Pferde, was man schon bei der Reaktion auf einen Stromschlag sieht: Wo ein Pferd mit allen Vieren in die Luft geht, tritt ein Rind genervt den Rückzug an. Aber gemächlich und nur etwa ein, zwei Schritte weit. Gerade die Jungrinder haben die mobilen Zäune aus Kunststoffpfosten und Litze hart geprüft – und uns dazu gebracht, auf Metallpfähle umzusteigen.
Gemeinsam mit den Ponys lassen wir die Rinder nicht auf die Weiden. Will man das probieren, raten andere Zebu-Halter, den kleinen Wiederkäuern Schlupflöcher zu lassen, wo die Pferde nicht durchpassen. So manches Ross entdeckt sonst spontan seinen „Cow Sense“ und spielt Cutting mit den Rindern. Wir schicken deshalb immer erst die Ponys, dann die Zebus auf eine Wiese, außer im Frühjahr, wenn alles schneller schießt als die Tiere fressen können. Aber auch da sind die Rinder gut, weil sie auch das lange Zeugs vertilgen. Außer Ampfer und den Lupinen, mit denen wir immer zu kämpfen haben, lassen die Zebus nichts stehen, die Weiden sehen aus wie gemäht wenn sie damit durch sind.
Zebus und Pferde sind perfekte Weidepartner
Rinder pflücken das Gras mit der Zunge, abbeißen können sie nicht – sie haben im Oberkiefer keine Zähne. Daher fressen sie die Weiden nicht so tief ab wie die Pferde. Die Klauen der leichten Zwergzebus schädigen die Grasnarbe kaum, zumal sich die Tiere auf festgelegten Pfaden bewegen. Und weil ihr Wiederkäuer-Verdauungssystem ganz anders funktioniert als das der Pferde, haben Pferdeparasiten verloren, wenn sie im Rind landen. Deshalb ergänzen sie sich als Weidepartner perfekt. Wir haben uns das Abäppeln der Weiden bisher immer gespart und hatten trotzdem keine Probleme – optimal wäre aber wohl, die Haufen einzusammeln. Wenn die Rinder die Geilstellen kurz halten, geht das auch einfacher als im hohen Gras.
Ein weiterer Vorteil: Die Zebus können dank ihrer robusten Verdauung das Heu wegputzen, das für die Pferde nicht so ideal ist. Wir schmeißen weniger weg, ohne bei den Ponys Kompromisse machen zu müssen. Wirklich verdorbenes, etwa schimmeliges Heu kommt natürlich weiterhin zum Mist.
Aber es gibt auch einen Haken. Die vierbeinigen Rasenmäher müssen natürlich so sorgfältig versorgt werden wie die Pferde. Im Sommer reicht frisches Wasser, ein Leckstein und ein Wetterschutz, im Winter brauchen sie aber Heu und einen gut eingestreuten Offenstall, der regelmäßig gemistet werden muss. Und Zwergzebus sind recht eigen. Die Behörden schreiben für „Zucht- und Nutzrinder“ einmal jährlich einen Bluttest auf BHV1 vor, das ging bei unseren Zebus nur unter Vollnarkose. Sonst gehen die auf den Tierarzt los. Handzahme, halfterführige Zebus sind eher selten. Seitdem wir keinen Bullen mehr haben und daher definitiv nicht züchten können, dürfen wir die Blutuntersuchung weglassen – dafür mussten wir vor Gericht erklären, das unsere Rinder wirklich „nutzlos“ sind. Deutschland eben.

Fazit: Die Rinder sind praktisch, machen aber auch Arbeit – vor allem im Winter. Die Weiden profitieren aber enorm von den Wiederkäuern. Und die Tiere sind auch einfach nett, jedenfalls zu uns. Nachdem die alte Kuh im hohen Alter von 20 Jahren gestorben ist, haben wir jetzt nur noch ihre Tochter. Sie soll natürlich nicht alleine bleiben…
Update: Tina ist da
Bibi ist inzwischen nicht mehr allein – Tina leistet ihr jetzt Gesellschaft (um den Namen kamen wir nicht herum, wir haben Kinder). Die zweijährige Färse hat sich schon gut eingelebt.

Andere Zwergrinder
Außer Zwergzebus gibt es noch Dexter aus Irland, Kobe-Rinder (auch Wagyu genannt) aus Japan und Dahomey-Zwergrinder, die aus Afrika stammen. Und auch Highland-Rinder und Galloways gibt es als Zwergform.

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