Jedes Jahr um diese Zeit ziehen die Ponys ihren Pulli aus – es ist Fellwechsel-Zeit. Und wenn Isländer eins können, sind es Haare. Entsprechend zieht sich jener Fellwechsel über Monate, und eigentlich lohnt sich das gar nicht, denn kaum ist das Pony unter den ganzen Haaren komplett hervorgekommen, schiebt es im Spätsommer schon die nächste Ladung Winterwolle. Genau genommen sind sie also mehr im Fellwechsel als dass sie nicht haaren. Pferdehalter beschäftigen in dieser Zeit zwei Fragen: Wie geht die Wolle am besten runter und wohin mit dem haarigen Zeug?
Fellkratzer und Co.
Bewährt hat sich bei unseren erst eine kreisende Massage mit dem guten alten Gummistriegel, der den Plüsch schön auflockert – und wenn man fest, aber gefühlvoll zu Werke geht, ist das für die Pferde Wellness pur. Einfach mal drauf achten wann die Oberlippe lang wird und die Lieblingsstellen einmal extra schubbern. Welches Werkzeug dann folgt, hängt von der Haarlänge ab:
Bei langem Fell, etwa den Deckhaaren der Isis, hat sich der Fellkratzer (im Bild, Mitte) bewährt, ursprünglich mal erfunden für langhaarige Hunde – aber das Fell von einem Husky und einem Isi ist anscheinend recht ähnlich. Die langen Haare bleiben hängen, was auch den Vorteil hat, dass sie nicht überall herumfliegen. Kurzes Fell erwischt man damit nicht ganz so gut.
Da ist das traditionelle Schweißmesser aus Metall mit gezackter Seite besser (rechts). Die losen Haare streift man damit einfach aus dem Fell, das Ergebnis ist ein relativ glattes und sauberes Pferd. Gut auch zum Ende des Fellwechsels, um letzte Reste rauszukratzen. Die Haare fallen in recht ordentlichen Büscheln runter und können leicht aufgesammelt oder zusammengefegt werden.
Um möglichst viel Wolle schnell runterzukriegen, ist der Federstriegel (links) ideal. Die Haare fliegen einem beim Putzen etwas mehr um die Ohren, dafür bekommt man sehr schnell sehr viel Wolle runter. Hinterher ist gründliches Fegen angesagt, aber das lohnt sich dann wenigstens. Und das Umziehen auch.
Flauschiges Bettzeug
Und wohin mit den Haaren? Da hat die Natur eine gute Verwendung für. Denn gerade wenn die Ponys den Striptease machen, suchen hunderte von Vögeln bei uns auf dem Hof nach kuscheligem Bettzeug für ihre Nester. Auch unsere Kanarienvögel in der Voliere neben der Terrasse nehmen die Pferdehaare gerne für ihre Bauarbeiten. Da kann man gut beobachten, dass sie für ein Nest mehrere Hände voll von den Haaren verwerten können. Die Nachfrage ist entsprechend groß.
Also verteilen wir das ausgebürstete Fell büschelweise in Zweigen und Astlöchern von Hecken und Bäumen rund um den Hof. Aber nur das kurze Fell nehmen, die langen Haare sind gefährlich: Darin können sich die Vögel verfangen. Leider finden sie immer wieder Mähnen- und Schweifhaare im Paddock und verbauen sie, weshalb wir die Schwalbennester im Stall manchmal sogar nachträglich „zurechtschneiden“ müssen.

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