Im März müssen die Selbstversorger unter den Pferdehaltern tatsächlich mal zum Landwirt werden, auch wenn uns diese Eigenschaft ja immer dann, wenn es um Privilegien geht, abgesprochen wird. Aber die Weide muss fit gemacht werden für die Saison. Einfach im Frühjahr Pferde drauf, das geht nicht lange gut. Denn auch Gras braucht Pflege und Futter. Also ran an den Trecker.
Den hat natürlich nicht jeder selbst, und so wird oft ein benachbarter Landwirt oder ein Lohnunternehmer einspringen. Und gerne lässt man den dann einfach irgendwie machen. Passt schon. Aber ganz so einfach ist das nicht, es lohnt sich durchaus, genau hinzuschauen was die Weide wirklich braucht und was das, was drauf landet, so anrichten kann.
Erstmal alles plattmachen
Unstrittig und sinnvoll ist das Abschleppen, bevor das Gras zu wachsen beginnt. So werden Unebenheiten ausgeglichen und Maulwurfshügel plattgemacht. Dafür eignen sich ein Wiesenstriegel, Schleppringe oder eine Wiesenegge. Eine Walze empfiehlt sich nur bei leichten Böden, lehmhaltige Flächen werden damit zu stark verdichtet. Danach sollte man düngen. Und hier wird es wissenschaftlich.

Viel hilft viel, das ist hier nicht angesagt. Wir wollen ja kein Hochleistungsgras, sondern eine gesunde, artenreiche Weide. Also lohnt sich eine Bodenprobe, zumindest alle paar Jahre. Die untersucht die LUFA (hier NRW). Danach gibt es eine Dünge-Empfehlung, und damit kann man ja nichts mehr falsch machen. Oder doch, denn diese Empfehlung berücksichtigt zwar den Nährstoffbedarf, aber nicht, ob wir eigentlich die ganze Chemie auch auf der Wiese haben wollen. Mit dieser Empfehlung in der Hand sollte man sich die verschiedenen Düngemittel ganz genau ansehen.
Kalkstickstoff ist giftig
Viele überlassen das komplett dem Landwirt von nebenan. Erfahrungsgemäß wird auf Pferdeweiden dann oft auf Verdacht Kalksticksoff gestreut. Klingt gut, meistens fehlt Stickstoff und der Kalk wirkt gegen die Versauerung des Bodens. Kalkstickstoff vernichtet Unkräuter und Parasiten. Das rundum-sorglos Paket. Hat aber einen Haken: Das Zeug ist giftig, für Pflanzen und auch für Menschen.
Alternativ gibt es andere chemische Düngemittel mit Stickstoff und Mineralien. Das muss man jetzt nicht verteufeln, aber ein Nachteil bleibt: Davon profitieren die Pflanzen, aber nicht das Bodenleben. All die kleinen Helfer im Untergrund brauchen auch Futter, dann versorgen sie wiederum die Pflanzen. Das klappt mit Kompost, etwa verrottetem (!!!) Pferdemist – frischer bringt zusätzlich Parasiten auf die Fläche.
Futter für Würmer und Co.
Jetzt sind wir ja offiziell doch keine Landwirte und dürfen daher den eigenen Mist womöglich nicht kompostieren. Dann kann man auf Düngemittel mit organischem Anteil zurückgreifen. Das wirkt belebend auf Würmer und Co. und versorgt die Gräser. Wir haben damit sehr gute Erfahrungen gemacht, ein guter Kompromiss. Aber nicht ganz billig.
Und Kalk muss dann zusätzlich auf die Fläche, und auch da genau hinschauen: Branntkalk ist aggressiv, besser eignen sich kohlensaurer Kalk oder Konverterkalk. Zugegeben: Wenn man all das beachten will, wird es kompliziert. Aber viele Pferdehalter sind grundsätzlich umweltbewusst, da sollte man auch rund ums Pferd genau hinschauen.
Alte Pflanze neu entdeckt: Die Ackerbohne
Für echte „Ökos“ gibt es noch eine alternative Stickstoffdüngung: Ackerbohnenschrot. Die Ackerbohne ist eine fast vergessene Kulturpflanze, die von Biobauern als Zwischenfrucht genutzt wird. Die Ackerbohnen setzen den Stickstoff langsam frei und fördern ihrerseits das Bodenleben. Die geschroteten Bohnen lassen sich mit herkömmlichen Streuern ausbringen.
Aber auch hier gibt es Nachteile. Zum Einen sind sie schwer zu bekommen, und man braucht eine erhebliche Menge. Wir haben es mit einer halben Tonne auf einen Hektar probiert, wenn man keinen Profi-Fuhrpark hat lässt sich das schwer händeln. Denn durch ihr geringeres Gewicht bedeutet eine halbe Tonne bei den Ackerbohnen ein großes Volumen, in unserem Fall ein großer voller Bigpack. Für die Weide war diese Art von Dünger aber durchaus gut, wir hatten eine ertragreiche Saison.
Gras ist nicht gleich Gras
Und dann noch nachsäen. Wir nehmen für unsere Ponys nur fruktanreduzierte Mischungen, die enthalten kein oder nur wenig Deutsches Weidelgras, dessen Zuckergehalt Hufrehe und Stoffwechselprobleme begünstigen kann. Auch Kräutermischungen kann man für Pferdeweiden zukaufen, je nach Zusammensetzung auf der Fläche.

Zum Ausbringen von Dünger und Saatgut kann man außer Nachbars (oder dem eigenen) Trecker zumindest auf kleinen Flächen durchaus einen Hand-Schleuderstreuer verwenden. Der Vorteil: Die ausgebrachte Menge lässt sich per Handhebel genau steuern. So landen Samen nur auf schlecht bewachsenen Stellen und Dünger muss ja nicht dahin, wo durch Geilstellen eh mehr Nährstoffe sind als nötig. Außerdem kann man mit so einem Gefährt auch auf feuchtem Boden fahren, ohne tiefe Spuren zu hinterlassen, und gezielt kleine Parzellen versorgen. Aber für große Flächen ist das nichts, das ist nämlich ziemlich anstrengend.
Wenn jetzt die richtige Menge Regen kommt, steht einer guten Saison nichts im Weg.

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