Dem Husten Dampf machen

Im Winter wird es für Besitzer von Husten-Pferden anstrengend. Vor allem was die Fütterung angeht. Wir haben da in mehr als 20 Jahren einiges ausprobiert und bekommen unsere Pferde inzwischen gut durch die kalte Jahreszeit.

Mit gutem Management kann man Patienten mit chronischen Atemwegsproblemen oft ganz beschwerdefrei oder zumindest in guter Fitness halten. Wichtig: Bewegung, frische Luft, kein Staub. Die ersten beiden Punkte deckt Offenstallhaltung gut ab, wobei die Bewegung, zu der sich ein Pferd von selbst aufrafft, oft nicht ausreicht um Schleim zu lösen. Hier ist zusätzliches, regelmäßiges und gut angepasstes Training durch den Menschen gefordert – in akuten Phasen aber in Absprache mit dem Tierarzt.

Gummimatten statt Einstreu

Bleiben Stallklima und Fütterung. Zunächst die Einstreu: Stroh wird von vielen Hustenpferden nicht vertragen, wir haben daher Späne ausprobiert. Der Erfolg war mäßig, mein erster Hustenpatient war so empfindlich, dass man die Qualität der verwendeten Späne am nächsten Tag von weitem hören konnte. Wir sind dann auf „nackte“ Gummimatten umgestiegen. Das würde ich immer als Kompromiss sehen, da eine gute, ausreichend dicke und sorgfältig sauber gehaltene Einstreu grundsätzlich gemütlicher ist für die Pferde. Heute gibt es da auch neue Materialien von Holzfasern bis Miscanthus, die man ausprobieren kann. Unsere dicken, wasserdurchlässigen Gummimatten werden aber auch als Liegefläche angenommen. Wenn man im Stall keine Einstreu anbietet, sollten auch im Außenbereich weiche, matschfreie Liegeflächen vorhanden sein.

Die Liegefläche im Stall.

Die Matten sind nicht nur garantiert staubfrei und leicht sauber zu halten, sie laden auch nicht zum „Geschäft“ ein. Wenn wir Späne im Stall hatten, wurde die liebevoll vorbereitete Liegefläche von den Pferden sofort als Klo missbraucht und binnen Stunden in eine müffelnde Kloake verwandelt. Die Matten werden nur selten mit Äppeln verziert, Urin landet fast nie im Stall. Dadurch ist Ammoniak kein Thema. Das heißt aber auch: Als Ersatz für die Einstreu im Stall muss man im Auslauf „Toilettenbereiche“ mit saugfähigem Untergrund anbieten.

Auch unsere „Omi“ hält den Stall sauber und geht vorbildlich zum „Geschäft“ nach draußen.

Wasser und Dampf

Futter ist für Hustenpferde das nächste Thema. In vielen Ställen lautet die Lösung: Heulage. Das haben wir auch versucht, aber die drei Ponys schafften die großen Ballen nicht, bevor sie schlecht wurden. Das passiert bei siliertem Futter je nach Restfeuchte und Außentemperatur innerhalb von Tagen. Kleine Ballen in geeigneter Qualität waren in unserer Umgebung nicht zu vertretbaren Preisen erhältlich. Unser Wallach bekam von der Heulage außerdem Durchfall. Ein Nachteil der gerne übersehen wird: Das Plastik, in dem die Ballen eingepackt sind, ist nicht unbedingt die umweltfreundlichste Angelegenheit. Zudem ist ein hoher Säuregehalt problematisch für die Darmflora der Pferde. In größeren Ställen ist hochwertige, möglichst trockene Heulage dennoch eine Möglichkeit, für uns hat sie sich nicht bewährt.

Also Heu. Dass muss man dann allerdings nass machen, und zwar richtig. Nur übergießen reicht meistens nicht, auch nicht mit dem Wasserschlauch und ordentlich Druck. Man muss es wirklich einmal komplett eintauchen, allerdings reichen da wenige Minuten, stundenlanges Wässern ist nicht nötig. Dann verändert das Heu auch seinen Geruch, was auf mikrobielle Prozesse hindeutet, die nicht immer harmlos sind.

Mit einem Flaschenzug lässt sich auch nasses Heu leicht hochziehen.

Damit sind wir bei den Nachteilen: Nasses Heu ist schwer, macht den Stall nass und kann nicht stundenlag herumliegen, weil es schlecht wird. Heu ab libitum geht damit nicht. Ein bisschen lässt sich das lösen, indem wir das Heu wirklich nur kurz tauchen, das Wasser je nach Außentemperatur täglich oder sogar nach jedem Gebrauch auswechseln und das Futter gut abtropfen lassen. Bewährt hat sich die Verwendung von engmaschigen Netzen, darin kann man das Heu gut tauchen. Wir haben uns einen großen Regenwasser-Bottich besorgt und einen Flaschenzug darüber gehängt, damit können die vollen Netze mit wenig Kraft hochgezogen und zum Abtropfen über dem Bottich hängen gelassen werden. Die Netze verlängern auch die Fresszeiten. Mindestens eine Mahlzeit sollte es aber ohne Netz geben, damit die Pferde auch in natürlicher Haltung und ohne „Bremse“ fressen können.

Das klappt gut, so lange es nicht zu kalt wird. Bei Frost gefrieren das nasse Heu und das Wasser im Bottich. Dann machen wir dem Heu Dampf. Dafür braucht man entweder ein professionelles Gerät (ideal, aber teuer) oder eine Regen- oder Mülltonne und ein Gerät zum Ablösen von Tapeten. Durch ein Loch unten in der Tonne leitet man den Dampf hinein. Das Heu sollte durch ein Gitter oder Steine etwas hochgelegt werden, damit sich der Dampf darunter ausbreiten und aufsteigen kann. Dann muss das Gerät etwa eine Stunde laufen, um das Heu mit Dampf zu durchdringen.

So ein Gerät zum Ablösen von Tapeten gibt es für kleines Geld im Baumarkt.

Wir packen das Heu auch dafür in Netze, schütteln es beim Befüllen schon etwas auf und stapeln es möglichst locker in der Tonne. Auch Plastikkörbe eignen sich, wenn man das Heu darin ebenfalls etwas lockert. Nachteil der Eigenkonstruktion: Der Dampf wird mit weniger Druck ins Heu geleitet und die Materialien sind nicht lebensmittelecht. Außerdem muss das Gerät eine Stunde vor der Fütterung gestartet werden. Eine Zeitschaltuhr hilft nur, wenn das Dampfgerät seine Arbeit in frostfreier Umgebung macht, weil es ja mit Wasser gefüllt auf seinen Einsatz warten muss. Außerdem muss das Dampfgerät regelmäßig gereinigt und entkalkt werden. Dafür ist das bedampfte Heu leicht und wird gerne gefressen.

Achtung: Solche Geräte sollten immer unter Aufsicht betrieben werden. Überhitzen sie, etwa weil das Wasser alle ist, besteht Brandgefahr. Insbesondere in der Scheune neben dem Heu. Selbst professionelle Geräte haben oft keinen Überhitzungsschutz. Und da zumindest bei der Eigenbau-Variante ein Gerät zweckentfremdest und nicht gemäß den Sicherheitsvorschriften verwendet wird, kann man sich im Fall der Fälle auch nicht auf den Versicherungsschutz verlassen.

Andere Techniken gegen den Staub

Weitere Möglichkeiten sind abgepacktes entstaubtes Heu und Heucobs. Ersteres ist die perfekte Notration, es ist gut für Unterwegs oder auch für Frost, wenn man sich ein paar Dampfgänge sparen will. Als Grundnahrungsmittel ist es aber relativ teuer. Heucobs sollten eingeweicht werden, das ist bei Frost wieder ein Problem. Sie sind auch teuer als Heu und werden recht schnell verputzt. Für alte Pferde mit wackeligen Zähnen sind sie dagegen ideal.

Interessant sind auch mechanische Techniken zur Entstaubung von Heu. Das kann direkt bei der Herstellung durch Warmlufttrocknung erfolgen, da wird das Heu vor oder nach dem Pressen in sehr lockeren Ballen mit warmer Luft „bepustet“, bis die Restfeuchte unter einem bestimmten Wert liegt. So werden mikrobielle Prozesse, bei denen Staub entsteht, „im Keim ausgetrocknet“. Das Heu muss nicht mehr nachreifen und ist direkt „servierfertig“. Allerdings muss dieser Prozess auch absolut funktionieren. Ist das Heu zu feucht von der Wiese gekommen oder waren die Ballen zu dicht gepresst, kann auch solches Heu staubig und sogar schimmelig sein.

Nachträgliches Entstauben ist mit sogenannten „Heurüstmaschinen“ möglich. Sie schütteln das Heu auf und saugen Staub ab. Das Heu kann dann im Idealfall trocken verfüttert werden. Anders als bei der Aufbereitung mit Wasser bleibt bei solchen Verfahren ein Restrisiko. Man sollte sein Pferd gut einschätzen können und auch die Heuqualität bewerten können. Bei Pferden, die sehr schnell und heftig reagieren, sollte man mit solchen Experimenten vorsichtig sein. Wenn es klappt, ist trockenes Heu aber sehr gesund: Es wird nicht gammelig und die trockenen Halme regen Speichelfluss und Kautätigkeit an, die Akzeptanz ist sehr gut und die Pferde trinken mehr.

Alternativen: Entstaubtes Heu und eingeweichte Heucobs.

Und wenn dann doch mal etwas schiefgeht, das Pferd die Nase in trockenes Heu gehalten hat oder nach einer Trainingspause wieder mehr hustet, haben wir mit Inhalieren gute Erfahrungen gemacht. In leichten Fällen hilft bereits das Vernebeln von Sole, sonst den Tierarzt nach geeigneten Wirkstoffen fragen. Die Geräte sind teuer, man kann sie aber auch leihen oder manchmal mit etwas Glück gebraucht kaufen. Wichtig ist, dass eine Ultraschall- oder Mesh-Verneblung erfolgt, nur dann sind die Tröpfchen klein genug und kommen dahin, wo sie helfen sollen. Gut sind Geräte, die ohne Schläuche und Kabel auskommen, da man das Pferd dann beim Inhalieren führen oder sogar longieren kann. Leichte Bewegung unterstützt die Wirkung, wirklich anstrengen sollte sich das Pferd aber nicht. Denn schon das Inhalieren selbst erschwert die Atmung. Daher sollte bei akuter Atemnot auch nicht einfach so inhaliert werden.

Inhalieren hilft, wenn es doch Symptome gibt.