Das Buffet ist eröffnet

Wenn Pferde die Wahl hätten, wäre „All you can eat“ angesagt. Am liebsten fressen sie nunmal fast den ganzen Tag. Wenn das möglich ist, ist das super. Kein Futterneid, keine Magenprobleme, kein Stress. Aber leider haben wir mindestens ein Pferd, das dann platzt. Kría, unsere jüngste Stute, verwertet doppelt so gut wie alle anderen. Die Senioren – und dazu zählt wohl langsam auch der 22-jährige Hafimix – können viel mehr gebrauchen. Und dann mischt jener Hafimix auch noch die anderen mit seinem Futterneid auf. Also, was tun?

Die Lösung ist das Buffet. Wir müssen sowieso zum Fressen die Gruppe trennen, weil die alte Stute eingeweichte Heucobs bekommt. Dann stellen wir den älteren Wallach mit Extra-Heu daneben, weil er sonst Angst vor unserem gierigen Mischling hat. Mirco ist superlieb, aber beim Fressen kennt er keine Freunde mehr. Kría ist das schlicht egal ob er da rumgiftet, sie kann dableiben. Vorausgesetzt es gibt genug Fressplätze, dass sie ausweichen kann.

Während die beiden ganz alten Ponys also im Stall alleine den Hauptgang genießen, wird draußen wie folgt serviert:

Die Heukiste

In eine gebrauchte Agrarkiste füllen wir immer erstmal etwas loses Heu für den ersten großen Hunger. Zusätzlich kann darin auch ein Netz befestigt werden, wir haben dazu Kabelbinder eingebaut und klinken das Netz mit Karabinern dort ein (am besten Sicherheitskarabiner verwenden, damit die Pferde sich damit keine „Piercings“ machen können). Das lockere Netz verlangt viel Geschick, vor allem wenn es fast leer ist. Das verlängert die Fresszeit stark, nervt aber wenn die Ponys wirklich Hunger haben. Ist aber gut bei langen Pausen zwischen den Fütterungen.

Die Agrarkiste ist perfekt für unsere Zwecke, sie ist robust, lebensmittelecht und hält der Witterung stand. Außerdem lässt sie sich besser reinigen als Holz, einfach umkippen und ausfegen oder einmal ausspritzen, fertig.

Heunetze

Heunetze sind umstritten. Für uns haben sie mehrere Vorteile: Da wir nasses oder bedampftes Heu füttern müssen, sind sie bereits bei der „Zubereitung“ praktisch. Sie verlängern die Fresszeit spürbar und die Ponys sauen mit dem Heu nicht überall herum. Außerdem wird weniger herumgegiftet, wenn es schwieriger ist, an das Heu heranzukommen, da sind sie besser beschäftigt.

Nachteile: Die Fresshaltung ist nicht ganz natürlich, weil sie das Heu immer leicht seitwärts rausziehen. Das eigentlich Kauen erfolgt aber bei normaler Haltung, daher sehe ich das nicht als dramatisch an. Frust durch die erzwungene Langsamkeit wird durch die lose „Vorspeise“ reduziert. Bei starkem Frost werden die Netzt Bretthart und die Pferde kommen an das Heu nicht mehr dran, daher sind dann Alternativen gefragt.

Wir nutzen verschiedene Netze. Für Mirco habe ich eins aus Gurtband, da er sehr rabiat ist und dünne Schnüre durchreißt. Die Maschen sind bei dem Gurtband größer, er kann in derselben Zeit mehr fressen. Das ist gut, weil er auch mehr braucht. Da er ranghöher ist als die junge Stute, beansprucht er dieses Netz auch schnell für sich. Kría mümmelt derweil an einem Taschen-Heunetz mit 4,5 cm Maschenweite, das ist schon recht eng und dauert eine Weile. Für die Senioren im Stall nehme ich kleinere 6-cm-Netze mit Knoten, die sind vorsichtiger. Das Netz verhindert, dass die zahnlose Stute sich zu viel Heu auf einmal schnappt und sich verschluckt.

Die Netze hängen wir an Panels, dazu haben wir zwei am Futterplatz und ein weiteres weiter hinten im Paddock. Mehrere Fressplätze mit Platz dazwischen mindern Stress und Futterneid.

Heubälle

Heubälle sind super um die Mahlzeit zu ergänzen, sozusagen das Dessert. Wenn sie tief hängen erlauben sie eine fast natürliche Fresshaltung. Da sie herumkugeln wird das Fressen zum Spiel. Auch hier sollte der erste Hunger schon gestillt sein, damit das Wegpendeln nicht nervt. Bei uns passen die Bälle unter dem Zaun durch, deswegen binden wir sie an den Panels an. Der Strick muss kurz genug sein dass sie sich das nicht um die Beine wickeln können.

Als alleinige Mahlzeit reichen die Bälle nicht, weil nur wenig reinpasst. Außerdem sind sie etwas umständlicher zu stopfen als Netze. Es gibt ein nur wenig größeres Loch zum Befüllen, das mit einem Schraubdeckel verschlossen wird. Dafür gefrieren sie nicht, und es dauert wirklich eine ganze Weile bis sie leer sind. Unsere Ponys finden die Bälle toll. Achtung: Es haben schon Pferde geschafft, ihren Unterkiefer durch die Löcher in den Bällen zu verhaken. Deswegen sollten sie möglichst frei hängen, damit die Pferde nicht so viel Gegendruck aufbauen können.

Das Dessert mit den Heubällen kann die Gruppe dann gemeinsam genießen. Wenn alle schon weitgehend satt sind zupfen sie friedlich daran herum und sind nach dem Hauptgang noch eine Weile beschäftigt.