Wenn es ums Schlafen geht wird viel über Einstreu, Matten und andere mögliche Untergründe diskutiert. Unseren Pferden ist der Untergrund gar nicht so wichtig. Klar, so richtig tiefer Matsch ist nicht schön (manchen aber auch egal) und auf nacktem Steinboden soll auch kein Pferd liegen müssen, aber alles dazwischen wird bei uns akzeptiert – wenn die Aussicht stimmt.
Eher unbeliebt ist der Stall. Der ist okay wenn es da Futter gibt und er wird angenommen als Schutz gegen die Fliegenplage im Hochsommer. Aber sonst sind die Pferde da selten drin. Was mögen sie an dem Stall nicht? Die Größe? Es würden vier Boxen reinpassen, das kann es eigentlich nicht sein. Nein, es ist wohl eher die Lage. Der Stall liegt tiefer als der Auslauf, nah an den Wohngebäuden, zwischen Bäumen. Man hat keinen Überblick über das Gelände. Die Pferde haben das Gefühl in eine Höhle zu gehen. Was Menschen gemütlich finden, gibt Pferden kein Sicherheitsgefühl. Sie lieben es, wenn sie weit gucken können.

Und das ist sogar wichtiger als perfekter Boden. Bei Matschwetter öffnen wir nur den Schlechtwetterpaddock mit Siebgut (das sind grobe Holzspäne von Gattersägen, etwas feiner als normale Hackschnitzel). Das ist weich und nie matschig. Sie lieben es darin zu schlafen. Es sei denn, der Naturboden-Trail ist auch offen. Wenn es trocken genug ist mache ich den wieder auf, und ich war neugierig was sie bevorzugen. Wo legen sie sich hin wenn sie die Wahl haben?
Das Ergebnis ist eindeutig: Ist der Trail offen, sind alle Pferde dreckig, das Siebgut kaum zerwühlt. Sie liegen dann auf dem viel härteren Lehmboden notfalls zwischen den Pfützen. Weil da die Aussicht besser ist. Selbst auf der Siebgutfläche liegen sie nie im Schutz der Hecke (die den Wind abhalten soll), sondern lieber in der hinteren Ecke wo der Sturm so richtig pfeift und der Regen waagerecht kommt. Aber wer weiß was in der Hecke hockt…
Im Sommer ist es übrigens dasselbe. Da haben wir extra unterm Baum Sand ausgebracht als weichen Liegegrund, weil der Lehmboden hart wird wenn es trocken ist. Aber auch die Lage schient nicht zu passen. Sie liegen lieber in der prallen Sonne auf dem Lehm.

Aber hier ist die Aussicht am besten, das ist ihnen wichtiger.
Bei allen Debatten um Untergründe sollte man daher nicht vergessen dass Pferde keine Höhlenbewohner sind. Ställe sollten also möglichst großzügig und offen sein und so stehen dass sie eine gute Aussicht bieten – falls es möglich ist, man kann ja froh sein wenn man überhaupt einen Unterstand bauen darf. Und eine exponierte Lage bringt natürlich andere Probleme (Sturm, evtl. sogar Blitzschlag…), da muss man jeweils vor Ort abwägen. Wenn die Pferde den Stall nicht als Schlafzimmer mögen, ist eine gute Liegefläche draußen zumindest für Robustpferde sinnvoll. Zumal manche Pferde vielleicht auch aus Prinzip nicht gerne „drinnen“ schlafen.
Übrigens, auf Matten liegen unsere durchaus auch manchmal – drinnen wie draußen. Sogar auf den dünnen Gummigranulatmatten, die eigentlich nur als rutschfeste, seniorengerechte Lauffläche gedacht sind. Als einzige Liegefläche würde ich „nackte“ Gummimatten dennoch nicht empfehlen, auch wenn der Lehmboden sicher nicht weicher ist, und da stört es sie scheinbar ja auch nicht. Es bleibt wohl dabei: Die Lage ist auch für Pferde-Wohnungen entscheidend.


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