Weidemanagement: Kleine Flächen, große Pausen

Pferdeweiden sind oft ein recht erbarmungswürdiger Anblick: runtergefressen bis auf die Wurzeln, mit Klee und Ampfer überwuchert, der Boden verdichtet. Das muss nicht sein. Klee und Co. haben wir auch durch, und wir haben daraus gelernt: Neben Pflege und Düngung entscheidet auch die Art der Beweidung, ob es der Fläche gutgeht – und den Pferden.

Glückliches Gras ist auch gesundes Gras. Wird das Gras ständig raspelkurz abgefressen, speichert es vermehrt Fruktan, das neben anderen Zuckerarten zu Übergewicht führen und Hufrehe auslösen kann. Wir haben auch die Erfahrung gemacht, dass die Flächen, die etwa Mitte/Ende Juni kurzgefressen waren, anfällig waren für ein Übermaß an Weißklee.

Wir teilen unsere beiden Wiesen, eine ca. 1 Hektar und eine etwa 0,5 Hektar groß, in acht bis zehn Parzellen auf. Die sind, bedingt durch den Zuschnitt der Wiesen, unterschiedlich groß. Wir legen sie möglichst länglich an, damit sparen wir Treibgänge und die Pferde können auch auf kleiner Fläche ordentlich laufen.

Eine Parzelle mit dem ersten Aufwuchs, Anfang Juni.

Dann bleiben die Ponys auf jeder Parzelle je nach Größe und Bewuchs ein bis zwei Wochen, aber nie länger. Wir wechseln die Fläche, wenn die Pferde einmal alles grob abgefressen haben. Sie lassen die Gräser beim ersten Abweiden für gewöhnlich noch recht lang, etwa zehn Zentimeter. Diesen Rest nagen sie erst ab, wenn sie an ein und derselben Stelle mehrmals fressen, weil nicht mehr genug da ist. So lange warten wir nicht, damit sie die Pflanzen möglichst wenig schädigen. Danach weiden die Zwergzebus die Reste ab. Sie verputzen Geilstellen, unbeliebte Beikräuter und überständiges Gras. Da sie aber das Gras mit der Zunge pflücken, verbeißen sie die Pflanzen nicht so tief. Wer keine Zebus hat, kann diesen Teil auch mit dem Freischneider erledigen.

So ergibt sich für jede Parzelle eine Ruhepause von mindestens acht Wochen. Zeit genug, dass das Gras wieder ordentlich hoch wächst und oft sogar nochmal blüht. So bleiben die Pflanzen auch robust genug, sich gegen Unkräuter zu behaupten. Klee wird im Schatten der Gräser kleingehalten. Der erste Aufwuchs kann in den Parzellen, die später dran sind, sogar aussamen. Wenn man also die Flächen nicht eine nach der anderen nebeneinander, sondern chaotisch abweiden lässt, bleiben „Inseln“ stehen, die von selbst für die Nachsaat sorgen. Außerdem bieten die hohen Bereiche Rückzugsmöglchkeiten und Nahrung für Tiere.

Überständiges Gras auf der letzten Parzelle, die erst Ende Juni abgeweidet wird.

Da die Flächen nicht so groß sind, fressen unsere Pferde auch überständiges Gras. Außerdem stehen sie auf den Parzellen nur ein paar Stunden am Tag. So begrenzen wir zusätzlich die Menge, die gefressen wird (wir haben fruchtbaren Boden und leichtfuttrige Pferde) und verringern die Verdichtung des Bodens durch das Gewicht der Ponys. Das lange Gras macht satt und ist nicht so zuckerhaltig wie frisch nachwachsendes Grün. Die Rispen der blühenden Gräser mögen sie dabei besonders gerne. Im hohen Gras hält sich morgens außerdem der Tau lange und befeuchtet beim morgendlichen Weidegang die Hufe. Nachteil: Wenn man die Ponys vormittags reinholt, braucht man bei jedem Wetter Gummistiefel.