Heu wird selbst bei optimaler Qualität von empfindlichen Pferden teilweise nicht vertragen. Wir haben das Problem auch, und in den Jahren haben wir so ziemlich alles durchprobiert. Am Ende ist die Erkenntnis: Alle Möglichkeiten, Staub zu reduzieren, haben Vor- und Nachteile. Welche Lösung die richtige ist, hängt sehr vom Pferd und der individuellen Situation ab.
Bevor wir auf die verschiedenen Methoden eingehen, ist die Frage: Warum staubt Heu überhaupt? Erstes Problem ist die Qualität. Unter idealen Bedingungen produziert, ist Heu für viele Pferde gar kein Problem. Aber wirklich gutes Heu ist nicht immer so leicht zu bekommen, Und: Nicht jeder Mangel ist ohne Labor erkennbar.
Aber auch gutes Heu enthält Staub und kann bei empfindlichen Pferden zu Problemen führen. Das Equine Asthma ist keine klassische Allergie, kann aber, je nach Typ, eine allergische Komponente haben. Erstaunlicherweise ist das auch tiermedizinisch alles noch gar nicht so eindeutig klar. Sicher ist aber, dass die Bronchien auf Staub, oft sogar unabhängig der Herkunft, mit Schleim und Entzündungen reagieren. Diese Reaktionen sind unterschiedlich stark, die Pferde reagieren unterschiedlich empfindlich. Auslöser kann Staub jeglicher Art sein, auch in der Halle, im Auslauf, Pollen oder Staub aus der Einstreu. Eine Quelle von schädlichem Staub ist meistens das Heu.
Aber wie kommt der Staub ins Heu? Die erste Belastung entsteht bereits auf der Wiese. Gras wächst ja nicht in einem sterilen Umfeld. Schon am Halm wird das Gras von Mikroorganismen, Pilzen und Milben besiedelt, Pollen fliegen herum, Umgebungsstaub setzt sich an. Dann kommt die Ernte: Jetzt kommen Erde und „Krümel“ durch Schäden am Heu beim Wenden dazu. Während das Heu auf der Wiese trocknet, wird es weiter von Mikroben besiedelt.

Klassisch erzeugtes Heu durchläuft nun eine Nachschwitzphase. Sechs bis acht Wochen nach der Ernte darf es nicht verfüttert werden. Das Heu wurde mit unter 15 Prozent Restfeuchte gepresst und trocknet im Ballen noch nach. In dieser Zeit laufen weitere mikrobiologische Prozesse ab, je nach Restfeuchte können sich die Ballen dabei mehr oder weniger stark erwärmen. Wenn die Ballen durchgetrocknet sind, kommen diese Prozesse zum Erliegen, die Hinterlassenschaften der Organismen sind aber noch im Heu.
Dann liegt das Heu Wochen und Monate im Lager. Je nach Bedingungen kann sich in der Zeit mehr oder weniger Lagerschimmel bilden, Umgebungsstaub lagert sich ab. Auch unter guten Bedingungen leidet die Heuqualität unter der Lagerung. Kaum jemand hat eine isolierte, belüftete Halle für das Futter, und die ständigen Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit führen meistens zu mehr oder weniger starken Veränderungen im Heu.
Welche dieser Prozesse für empfindliche Pferde in welchem Ausmaß relevant sind, ist schwierig herauszufinden. Anscheinend wurde das bisher noch nicht ausführlich untersucht. Dann wäre es noch einfacher, geeignete Maßnahmen zu benennen. Vorerst haben wir ausprobiert (für Details anklicken):
Wässern: Heu aufgelockert kurz unter Wasser tauchen ->
Relativ sichere Staubbindung, wenn es gründlich gemacht wird
Günstige Lösung, relativ spontan umsetzbar (kein Spezialgerät nötig, normales Heu)
Feuchtes Heu kann gammeln, besonders bei warmem Wetter
Schwer, unpraktisch, immer nasse Hose
Nährstoffverluste: wasserlösliche Vitamine und Mineralien gehen verloren
Pferde speicheln das nasse Heu schlechter ein und trinken deutlich weniger
Ungeeignet für Heu ad libitum: Wenn das Heu trocknet, kann es wieder stauben, der Staub ist ja noch drin
Gefriert im Winter
Ist das Heu noch zu dicht gepresst, kommt das Wasser nicht überall hin; es bleiben trockene, staubige Stellen
Hoher Wasserverbrauch, da das Wasser im Idealfall nach jeder Benutzung gewechselt werden sollte
Ist das Heu noch zu dicht gepresst, kommt das Wasser nicht überall hin; es bleiben trockene, staubige Stellen
Hoher Wasserverbrauch, da das Wasser im Idealfall nach jeder Benutzung gewechselt werden sollte
Warmlufttrocknung: Das Heu wird nach verkürzter Feldtrocknung mit hoher Restfeuchte eingefahren und entweder lose in Boxen oder in locker gepressten Ballen mit warmer Luft getrocknet ->
Reduziert Staubentwicklung, da weniger lange Feldtrocknung, weniger Wenden, keine Nachreifung
Je nach Technik wird auch Staub aus dem Heu herausgeblasen/beim Wenden und Fördern herausgeschüttelt und dadurch reduziert
Keine garantierte Staubfreiheit, da weitere Risiken bleiben (Erde, Lagerung, möglicherweise ungleichmäßige Trocknung)
Manche Pferde vertragen das Heu so bereits gut
Energieaufwand, teure Trocknungsanlage, höherer Preis für das Heu, nicht überall verfügbar
Verschiedene Verfahren: lose Trocknung oder Trocknung von Ballen, zumindest letzteres funktioniert je nach Dichte der Pressung nicht immer gleich gut
Ökologisch am sinnvollsten in Kombination mit Biogasanlagen
Relativ wetterunabhängige Ernte in guter Qualität möglich
Bedampfen: Mit selbstgebautem oder professionellem Bedampfer wird das Heu ungefähr eine Stunde möglichst heiß bedampft ->
Hygienischer, wenn die Temperatur hoch genug ist
Heu bleibt leicht, kann etwas länger liegen da die Mikroben abgetötet sind
Normales Heu kann verwendet werden, aber die professionellen Bedampfer sind sehr teuer, dazu kommt der Stromverbrauch
Organisation: Die Ration muss vor der Fütterung rechtzeitig vorbereitet werden
Feuergefahr insbesondere bei Eigenbau-Geräten (und da ist auch jede Versicherung raus)
Nährstoffverluste durch die Hitze
Der Staub ist noch drin; Wenn das Heu trocknet, kann es wieder stauben. Dann sind Mikroben zwar abgetötet, die potenziell reizenden Teilchen sind aber noch da
Entstaubung: Das Heu wird maschinell aufgeschüttelt, Staub fällt durch Siebe oder wird abgesaugt ->
Verschiedene Techniken, unterschiedlich gründlich
Entstaubung des fertigen, gereiften Heus schafft meistens nicht ganz 100 Prozent, Erfolg hängt von der Belastung des Heus ab
Die Anlagen sind unterschiedlich leistungsfähig, je nach Technik und Zahl der Durchgänge
Teure Anlagen, hoher Preis des Futters
Das Heu kann normal verfüttert werden, ist bekömmlich und für ad libitum geeignet, auch bei warmem Wetter
Der Staub ist wirklich raus aus dem Heu und landet auch nicht im Magen
Das Heu sollte nach dem Entstauben zeitnah verfüttert werden, sonst kann es wieder verunreinigt werden
Nicht überall regional verfügbar
Heulage: Gras wird nur bis ca. 40 Prozent Restfeuchte getrocknet und dann luftdicht in Folie gewickelt, Haltbarkeit durch Milchsäuregärung ->
Optimale Staubfreiheit wegen Konservierung durch Milchsäurebakterien, feuchtes Millieu
Einfache Handling, relativ günstig, meistens regional gut erhältlich
Gute Qualität ist zwingend nötig, sonst Gesundheitsgefahr
Bei Luftkontakt schnelles Verderben, dann Gefahr durch Koliken
Bei warmem Wetter ungeeignet für ad libitum
Große Ballen ungeeignet für sehr kleine Bestände, die Ballen müssen je nach Wetter innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden
Nicht geeignet für Pferde mit bestimmten Stoffwechselerkrankungen
„Wickelheu“: Heu mit unter 15 Prozent Restfeuchte wird nach Feldlagerung wie Heulage gewickelt ->
Riskant, da weder Trocknung noch Milchsäurekonservierung, sehr instabil, verdirbt leicht
Da keine Nachreifung erfolgt, oft wenig Staubbelastung, wird zum Teil gut vertragen
Einfach im Handling, günstig
Experiment: Niemand weiß, wie dieses Futter mikrobiell besiedelt ist, die Qualität schwer zu beurteilen, es gibt kaum Erfahrungswerte

Es gibt auch verschiedene Produkte, mit denen das Heu eingesprüht werden kann. Wenn dadurch der Staub gebunden wird, kann das helfen; ich halte das aber für unsicher. Zum Befeuchten ist Wasser allerdings günstiger.
Die perfekte Lösung für uns ist warmluftgetrocknetes und zusätzlich entstaubtes Heu. Da die Staubbelastung bei der Herstellung schon reduziert ist, holt die Entstaubungsanlage genug raus, dass es gut vertragen wird. Wir können Heu aus Warmlufttrocknung in der Nähe kaufen und in einer Anlage im Nachbardorf entstauben lassen. Auf diese Wiese ist es finanziell machbar. Solches Heu ist sonst relativ teuer und nicht überall regional zu beziehen.
Andere Lösungen sind je nach Haltung und Empfindlichkeit passend, zum Beispiel:
Nur leicht empfindliches Pferd – Warmlufttrocknung kann reichen
Große Gruppe, keine Verdauungsprobleme – Heulage
Einzelfütterung, Nutzung des allgemein verfügbaren Heus im Stall – Bedampfen
Kurzfristig zur Überbrückung – Wässern
Entscheidend: Schlechte Qualität bleibt schlechte Qualität! Egal wie das Futter aufbereitet wird, das Ausgangsmaterial muss gut sein. Sonst drohen außer Husten auch noch andere Probleme.


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