Das Buffet ist eröffnet

Wenn Pferde die Wahl hätten, wäre „All you can eat“ angesagt. Am liebsten fressen sie nunmal fast den ganzen Tag. Wenn das möglich ist, ist das super. Kein Futterneid, keine Magenprobleme, kein Stress. Damit sich trotzdem niemand überfrisst, helfen Slowfeeding-System wie Netze, Bälle oder Heusäcke. Über die Anlage verteilte Slowfeeder halten die Truppe in Bewegung und vermeiden Futterneid. Hier eine Übersicht über die Slowfeeder, die wir getestet haben, und wie unsere Erfahrungen damit sind.

Die Heukiste mit Netz

In eine gebrauchte Agrarkiste füllen wir bei Bedarf etwas loses Heu für den ersten großen Hunger. Zusätzlich kann darin auch ein Netz befestigt werden. Das lockere Netz verlangt viel Geschick, vor allem wenn es fast leer ist. Das verlängert die Fresszeit stark, nervt aber wenn die Ponys wirklich Hunger haben. Deswegen sollte es nicht das einzige Angebot sein, oder nur, wenn ad libitum gefüttert wird und sie Pferde dadurch nie ganz großen Hunger haben.

Die Agrarkiste ist perfekt für unsere Zwecke, sie ist robust, lebensmittelecht und hält der Witterung stand. Außerdem lässt sie sich besser reinigen als Holz, einfach umkippen und ausfegen oder einmal ausspritzen, fertig.

Heunetze

Heunetze sind umstritten. Sie haben aber auch einige Vorteile: Da wir zeitweise nasses oder bedampftes Heu füttern müssen, sind sie bereits bei der „Zubereitung“ praktisch. Sie verlängern die Fresszeit spürbar und die Ponys sauen mit dem Heu nicht überall herum. Außerdem wird weniger herumgegiftet, wenn es schwieriger ist, an das Heu heranzukommen, da sind sie besser beschäftigt.

Nachteile: Die Fresshaltung ist nicht ganz natürlich, weil sie das Heu immer leicht seitwärts rausziehen. Das eigentlich Kauen erfolgt aber bei normaler Haltung, daher sehe ich das nicht als dramatisch an. Frust durch die erzwungene Langsamkeit wird durch die lose „Vorspeise“ reduziert. Bei starkem Frost werden die Netzt Bretthart und die Pferde kommen an das Heu nicht mehr dran, daher sind dann Alternativen gefragt.

Wir nutzten bereits verschiedene Netze. Für Mirco habe ich eins aus Gurtband, da er sehr rabiat ist und dünne Schnüre durchreißt. Die Maschen sind bei dem Gurtband größer, er kann in derselben Zeit mehr fressen. Das ist gut, weil er auch mehr braucht. Da er ranghöher ist als die Stute, beanspruchte er dieses Netz auch schnell für sich. Kría mümmelte derweil an einem Taschen-Heunetz mit 4,5 cm Maschenweite, das ist schon recht eng und dauerte eine Weile. Für die Senioren im Stall hatte ich kleinere 6-cm-Netze mit Knoten, die waren vorsichtiger. Das Netz verhinderte, dass die zahnlose Stute sich zu viel Heu auf einmal schnappte und sich verschluckte.

Die Netze haben wir zeitweise an Panels gehängt. Mehrere Fressplätze mit Platz dazwischen mindern Stress und Futterneid. Aktuell nutzen wir keine frei hängenden Netze mehr, da wir die Futtersäcke (siehe unten) besser finden.

Heubälle

Heubälle sind super, um die Mahlzeit zu ergänzen, sozusagen das Dessert. Wenn sie tief hängen erlauben sie eine fast natürliche Fresshaltung. Da sie pendeln wird das Fressen zum Spiel. Auch hier sollte der erste Hunger schon gestillt sein, damit das Wegpendeln nicht nervt. Der Strick muss kurz genug sein, dass sie ihn sich nicht um die Beine wickeln können.

Als alleinige Mahlzeit reichen die Bälle nicht, weil nur wenig reinpasst und das Fressen wirklich schwierig ist. Außerdem sind sie etwas umständlicher zu stopfen als Netze. Es gibt ein nur wenig größeres Loch zum Befüllen, das mit einem Schraubdeckel verschlossen wird. Dafür gefrieren sie nicht, und es dauert wirklich eine ganze Weile bis sie leer sind. Unsere Ponys finden die Bälle toll. Achtung: Es haben schon Pferde geschafft, ihren Unterkiefer durch die Löcher in den Bällen zu verhaken. Deswegen sollten sie möglichst frei hängen, damit die Pferde nicht so viel Gegendruck aufbauen können. Wir haben eine Heuball-Station in den Trail gebaut, wo die Bälle aufgehängt werden.

Heusäcke

Neu im Einsatz sind Heusäcke, davon bin ich wirklich begeistert. Sie verlängern die Fresszeit bei sehr naturnaher Fresshaltung. Die Säcke sind lebensmittelecht, so dass auch nasses Heu gefüttert werden kann. Durch die Löcher mit 8 cm Durchmesser zupfen sie das Heu. Wichtig: Die Löcher müsen kleiner sein als der Durchmesser des kleinsten Hufs in der Herde. Zur Reinigung spüle ich die Säcke mit einem Schlauch durch und hänge sie zum Trocknen auf. Tipp: Mit Sicherheitsanbindern befestigen, falls die Pferde daran scharren und dabei mit dem Huf hinter den Sack geraten. Ohne Befestigung fliegen die Säcke bei uns überall herum.